Twitter Retweets: Eine Art Kollektive Intelligenz?

Eine wissenschaftliche Studie hat sich “Twitter” jetzt von einem interessanten Gesichtspunkt her genähert und ist zu dem Schluss gekommen, dass Twitter mehr als Nachrichtendienst denn als soziales Netzwerk zu sehen ist.
Jeder Nutzer nimmt Einfluss auf das System – doch ist die relevante Zahl die der “Retweets”, die ein Nutzer sendet und nicht die seiner Follower oder die Anzahl der User, denen er folgt. Unter einem “Retweet” ist zu verstehen, dass ein User eine Kurznachricht an seine eigenen Follower weiterleitet, diese leiten wieder weiter – und so potenzieren sich die Retweets in kurzer Zeit zu einem Vielfachen. Die Forscher gehen davon aus, dass vom User nur das “retweetet” wird, was für ihn eine wichtige Information darstellt, an der er seine Follower teilhaben lassen möchte.

Berücksichtigt man nun die Anzahl der Retweets der Twitter-Nachrichten, so liegen nicht mehr die “üblichen Verdächtigen” (z.B.Ashton Kutcher oder Lady Gaga) auf Platz eins sondern ganz klar die Informationsmedien wie beispielsweise die “New York Times” oder “CNNBrk”. Auffällig ist auch, dass eine große Anzahl an so genannten “Alternativen Medien” in dieser Top-20-Liste aufscheint, wie zum Beispiel Tweetmeme oder Techcrunch.

Für diese Auswertung wurden von den Wissenschaftlern am koreanischen Forschungszentrum Kaist 4622 “Trending Topics”, also Themen, die von Twitter als wesentlich identifiziert wurden, nach der Zahl der erfolgten Retweets gereiht. So haben die Forscher über einen Zeitraum von mehreren Monaten die Kurznachrichten von Twitter und das sich daraus ergebende Verhältnis der User untereinander genau in Augenschein genommen.

Das Bild beschreibt, wieso Twitter so erfolgreich wurde.
Weiterhin wurde untersucht, wie der Einfluss Twitters überhaupt messbar ist, ein Forschungsschwerpunkt, der für das Marketing extrem wichtig ist. Die Popularität eines Twitterers lässt sich leicht feststellen: Diese kann man an der Anzahl der Follower ersehen, die Zahl der Erwähnungen seines Namens steht für den Wert seines Namens und die Zahl der Retweets für die Wichtigkeit der von ihm mitgeteilten Informationen.

Das überraschende Resultat der Retweet-Analyse: Unter den Top 20 waren mit 2 Ausnahmen nur Nachrichtenthemen. An den Trending Topics waren von 41 Millionen Twitterern 8,3 Millionen beteiligt, davon 15 % an mehr als 10 Topics.

Auch die Analyse der Zeitkomponente förderte Erstaunliches zu Tage: 35 % der Retweets erfolgten innerhalb der ersten 10 Minuten, 75 % innerhalb eines Tages. Daraus ergibt sich, dass die User regelrecht news-hungrig sind und jeden Input gerne und dankbar aufnehmen und auch sofort weitertweeten.

Durch die Anzahl der Retweets können die Forscher auf die Wichtigkeit des Inhaltes der Kurznachrichten für den Nutzer schließen. Entscheidend für diesen Einfluss sind aktive User, die Retweeten oder wenigstens den Namen des Erstellers erwähnen.

Leave a Comment

Previous post:

Next post: